Geschichte – Alt-Schmellwitz

Im Cottbuser Stadtarchiv befindet sich unter den wenigen erhaltenen Urkunden des Mittelsalters ein Original-Pergament vom 28. Juni 1414. Johann, Herr von Cottbus, verkaufte an einen gewissen Balthasar Wiltschkewitz den Mahlzins, „gelegin uff unseren dorffern Smelwitz und Golbin“. Die Urkunde galt lange als Beleg der Ersterwähnung des Dorfes.

Neuere Forschungen können den Ort als „Smeluitz“ bereits für das Jahr 1385 nachweisen. Der Ortsname kommt, wie so häufig in der Lausitz, aus dem Altsorbischen, und zwar von „Chmel´ovica“, das heißt „Ort, wo Hopfen angebaut wurde“. Von der Siedlungsform her ist es ein Angerdorf, auch heute noch deutlich zu erkennen: die Hauptstraße teilt sich und umschließt einen freien Platz.
Auf diesem Anger steht normalerweise eine Kirche, doch in Schmellwitz fehlt sie, weil das Dorf bis 1537 im Besitz des Cottbuser Franziskanerklosters war. Nach der Säkularisation des Klosters (Enteignung durch den Staat) blieb die kirchliche Bindung der Bauern an die Klosterkirche bestehen. Über Jahrhunderte gab es in der Wirtschafts- und Sozialstruktur kaum Veränderungen. 1809 wurden die Dorfbewohner gezählt:

Es gab: – 5 Ganzbauern (mit mindestens einer Hufe Land – in Brandenburg ca 17 Hektar,
also soviel Land, wie eine Familie bearbeiten konnte)

  • 19 Halbbauern mit mindestens einer halben Hufe Land
  •  9 Kossäten – das waren Katenbesitzer mit ein wenig Land, die ihre Arbeitskraft+
  • verkauften und meist Lehrer oder Handwerker waren
  • Büdner – mit eigenem Haus und nur einem Garten
  • 3 Einlieger – das waren Leute ohne eigenes Haus, also Mieter

dazu kamen dann noch die Familienangehörigen, die Knechte und Mägde.

1818 lebten insgesamt 164 Personen in Schmellwitz, davon waren rund 90% wendischer Abstammung.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts dehnte sich die Stadt Cottbus auch nach Norden zu dem Dorf Schmellwitz hin aus. Das begann mit der Bebauung der Karlstraße 1878 und fand seinen vorläufigen Abschluss 1913 mit der Anlage der Siedlung „Eigene Scholle“.

Die Versorgung des Nordens mit Nahrungsmitteln übernahmen ein paar wenige kleine Unternehmer wie Fleischer, Bäcker und Kolonialwarenhändler.
Ärzte und Apotheker waren nicht anzutreffen. (die nördlichste Apotheke war die Nord-Apotheke nahe der Zimmerstraße)
Die nördlichst gelegene Poststelle bediente der Kaufmann Grapp in der Karlstraße nahe der Bonnaskenstraße.
Der Nordfriedhof sollte Zentralfriedhof werden, aber der weitere Ausbau der Südstadt machte den Südfriedhof zum Zentralfriedhof.
Die kleine Kreuzkirche am Bonnaskenplatz, erbaut 1878/79 führte ein Schattendasein. Die Seelsorge für den Cottbuser Norden übernahm die Oberkirche.
Erst 1936 bekam Schmellwitz eine eigene Kirche.

1903 bekamen die Schmellwitzer eine eigene Schule mit 4 Klassenräumen in denen 8 Volkschulklassen unterrichtet wurden. Heute ist dieses Gebäude ein Teilbereich der ehemaligen 17. Polytechnischen Oberschule. Viele Arbeiter zogen nach Schmellwitz und die Einwohnerzahl stieg kontinuierlich an. Im Jahr 1900 waren es 704 Menschen und im Jahr 1939 schon 2204. Die soziale Struktur war untypisch für ein Dorf.

Im Jahre 1930 waren nur 5% der Einwohner in der Landwirtschaft tätig, die restlichen 95% teilten sich in klassische Handwerkberufe, wie Bäcker, Fleischer, Tischler, Klempner usw. und Arbeiter zumeist in Tuchmacherberufen.

Die übrigen waren vielschichtiger aufgeteilt, darunter natürlich Arbeiterberufe für Klein- und Großbetriebe, Angestellte und Beamte. 10 Jahre später, also 1940, hatte die Landwirtschaft noch weiter eingebüßt und es verdoppelte sich der Anteil der Rentner, Pensionäre, Ausgedinger (Bauern im Ruhestand) und Witwen auf 10%. Schmellwitz wurde relativ spät an das Straßenbahnnetz angeschlossen. Die Straßenbahn fuhr ab 1903 in Cottbus aber erst 1927 bis Schmellwitz. Das Angebot für den täglichen Bedarf war in Schmellwitz merklich besser als für die Städter im nördlichen Teil von Cottbus. Die Gemeindevertreter von Schmellwitz verloren schon 1908 die Lust daran, die Gemeinde zu verwalten und beantragten die Eingemeindung nach Cottbus, aber das winkte ab.
Erst am 01. Juli 1950 wurde Schmellwitz gemeinsam mit Ströbitz und Saspow nach Cottbus eingemeindet. Lange Zeit nach der Eingemeindung blieb in Schmellwitz alles beim Alten. Der Wohnungsbau nach dem Krieg begann in Sandow und setzte sich in Sachsendorf fort. Erst 1983 kamen Bauhandwerker in den Cottbuser Norden und begannen mit dem Aufbau von Neu-Schmellwitz. Hier sollten bis zur Jahrtausendwende 60.000 Menschen leben. 1988 wurden viele Bauhandwerker nach Berlin delegiert um das Berlin-Jubiläum abzusichern und so kam es im Schmellwitzer Neubaugebiet zu großen Koordinierungsproblemen (Stichwort Hutungstraße), die in der Lokalpresse außergewöhnliche Missbilligung fanden.

Zusammengestellt von Norbert Mittelstädt

Impressionen:

Quellenangabe:
„Stadtarchiv Cottbus“
„Der Morgen“ 1986
„Cottbuser Zeitung“ 1988/1
Bilder: @STM