Geschichte – Neu-Schmellwitz

Zukunft in Neu-Schmellwitz – Gelebte Geschichte (erstellt zum 25-jährigen Jubiläum des Stadtteils)

„25 Jahre Neu-Schmellwitz“ – ein Vierteljahrhundert – das ist eine kurze Zeit im Verhältnis zur 850j

ährigen Geschichte der Stadt Cottbus, aber eine lange Zeit für den Menschen, umfasst sie doch eine ganze Generation.
Vorwiegend Neu-Schmellwitzer und Ehemalige erzählen ihre ganz persönlichen Erlebnisse in der Vor-, Wende- und Nachwendezeit. Sie erzählen, welche Freuden, Sorgen und Nöte sie in der ehemaligen DDR bewegten, mit welchen Problemen sie konfrontiert waren und wie sie damit umgingen.
Sie erzählen aber auch, welche Hoffnungen sie mit dem Mauerfall am 09. November 1989 verbanden und wie die politische Wende mit dem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 ihr Leben veränderte.
Mit Neu-Schmellwitz ist der jüngste Cottbuser Stadtteil im Norden der Stadt gemeint.
Da es Schmellwitz als Stadtteil schon lange gab, bekam die nebenan erbaute Plattenbau-Siedlung den Namen „Neu-Schmellwitz“.

1984 waren die ersten Wohnungen in der Gotthold-Schwela-Straße bezugsfertig geworden. Bei den meisten Bewohnern war die Freude darüber, in eine Neubauwohnung mit Warmwasser und Fernheizung zu ziehen, riesig zu mal vielerorts noch Wohnungsknappheit herrschte.
Damals kamen viele, vor allem junge Fachkräfte aus allen Teilen der Republik hierher, um vorwiegend im Braunkohlentagebau, in der Energiegewinnung und im benachbarten Textil-Kombinat zu arbeiten. Sie gründeten Familien und sorgten für jede Menge Nachwuchs. Dank der sicheren Arbeitsplätze und der zahlreich vorhandenen kostenlosen Kindereinrichtungen war das auch kein Thema.
Die Wohnungsgesellschaften kamen mit dem Bauen kaum hinterher, denn bis zum Jahre 2020 sollte dieser Stadtteil einmal 20.000 Einwohner aufnehmen.

Die politische Wende zog jede Menge Veränderungen nach sich und machte auch vor den Menschen in Neu-Schmellwitz nicht halt. Betriebe wurden stillgelegt, und infolge dessen viele Arbeitsplätze vernichtet.
Das führte dazu, dass viele der Arbeit folgen mussten und wegzogen.
Andere wiederum, die Arbeit und Geld hatten, zogen in ein selbstgebautes Eigenheim am Stadtrand.
Ein großer Teil der Jugendlichen musste die Heimat verlassen, um in den alten Bundesländern einen Beruf erlernen zu können oder ein Studium aufzunehmen.
Es passierte, was vielen Plattenbau-Siedlungen in der ehemaligen DDR passierte. Der Wohnungsleerstand wurde auch in Neu-Schmellwitz so bedrohlich, dass man um einen Rückbau in großem Umfang nicht umhin kam.
Wiederum zogen und ziehen Menschen aus diesem Stadtteil weg. Aber allen Tatsachen zum Trotz ist Schmellwitz noch nicht „ausgeblutet“, sondern immer noch der zweitgrößte Stadtteil und der, der die meisten Kinder hat.

Auf keinen Fall soll Neu-Schmellwitz einmal die „hässliche Schwester“ von Alt-Schmellwitz werden. Vielmehr wollen beide von ihrer Unterschiedlichkeit profitieren.
Die heutigen Akteure in Stadtverwaltung, Stadtteilladen, Regionalwerkstatt Brandenburg e.V. mit seinem Projekt „ZiNS. – Zukunft in Neu-Schmellwitz“, in den Wohnungsgesellschaften, im Bürgerverein e.V. Schmellwitz und viele ehrenamtliche Mitstreiter aus Schulen, Kindergärten und Vereinen haben sich im offenen Netzwerk eine Plattform geschaffen, um Neu-Schmellwitz in jeder Hinsicht zum „Blühen“ zu bringen.
Sie alle haben die Vision von einem lebens- und liebenswerten Stadtteil, in dem das Leben pulsiert und vor allem wieder junge Familien ein Zuhause finden.
Besonders reizvoll ist das Grabensystem, das mit Entstehung des Neubaugebietes zur Absenkung des Grundwasserspiegels angelegt werden musste. Es ist mit der Spree verbunden und dadurch ein fließendes Gewässer. Landschaftsarchitekten und Geologen haben es in ein wunderbares Naherholungsgebiet verwandelt.

Neu-Schmellwitz hat noch eine weitere Besonderheit. Wie Venedig ist es größtenteils auf Pfählen erbaut worden, nur sieht man sie nicht. Hunderte von Betonpfählen (Ortbeton) mussten mit schwerer Technik durch die vorhandene Torfschicht tief in die Erde gebohrt werden, damit die Häuser sicher stehen und später nicht absinken.
Das Wichtigste aber sind und bleiben die Menschen in diesem Stadtteil.
Einige von ihnen haben sich bereit erklärt, den Lesern ganz persönliche Einblicke in ihr Leben zu ermöglichen. So sind vielfältige Geschichten daraus entstanden. Sie sollen in vielerlei Hinsicht den Zeitgeist dieser 25jährigen und durch und durch wechselvollen Geschichte von Neu-Schmellwitz widerspiegeln. So soll einerseits gelebtes Leben als Erinnerung bewahrt werden, andererseits die Menschen, die heute in diesem Stadtteil leben ermutigt werden, sich für ein lebens- und liebenswertes Neu-Schmellwitz aktiv mit einzubringen.
An dieser Stelle schon immer ein Dankeschön an alle, die dieses Projekt von Anfang an mit begleitet und unterstützt haben und noch unterstützen.

Bilder: ©Groschke

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